Redebeitrag für den Ostermarsch Saarbrücken am 16. April 2022

 

- Sperrfrist: 16. April 2022, Redebeginn: 11 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Die Welt im Waffenwahn. Geht so Frieden?

 

Liebe Friedensfreundinnen und liebe Friedensfreunde,

die Saarländische Friedensbewegung ruft schon seit über 60 Jahren zu den traditionellen Ostermärschen auf, die immer mit der Losung „Abrüsten jetzt" und der Forderung nach einem Atomwaffenverbot einhergehen. Jede Friedensbewegung hat nicht nur den aktuellen Krieg im Blick, sondern ihr Ziel ist die dauerhafte Ächtung von Krieg und Gewalt, von Waffen und permanenter Aufrüstung weltweit.

Vor 65 Jahren fand der weltweit erste Ostermarsch in England statt. Intellektuelle und Künstler der 50er-Jahre warnten damals schon vor der atomaren Aufrüstung zwischen Ost und West, sie sei eine existenzielle Bedrohung, bei einem Atomkrieg werde es keine Überlebenden geben. Genau diese Botschaft stand auch im Mittelpunkt des ersten Friedensmarsches, der an Ostern 1958 von London zur Atomwaffenfabrik Aldermaston führte.

Dort entwickelt Großbritannien seine eigenen Atomwaffen. „Die Teilnehmer waren sehr gemischt, alte, junge. Sie marschierten vier Tage lang. Übernachteten in Turnhallen, Kirchen, Gemeindesälen. Das Wetter war schlecht, und die Füße schmerzten, aber alle waren voll bei der Sache, schmetterten Protestlieder und skandierten Parolen."

Anfang der 60er Jahre nahmen über einhunderttausend Menschen an den Ostermärschen auch in Deutschland teil. Die Bewegung wurde von vielen Gewerkschaften, Kirchenvertretern und den Quäkern unterstützt. Doch das politische Establishment hielt sich aber die ganzen Jahre zurück. Ich vermisse heute das breite Engagement der 60er  und der 80er Jahre. Die Angst vor einem Atomkrieg scheint in der Bevölkerung vergessen worden zu sein. Für mich war die Atombombe immer schon das große Schreckgespenst und sie ist es immer noch, gerade nach dem völkerrechtswidrigen brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Die Drohung Putins steht im Raum. Dass diese Furcht von Vielen geteilt wird, zeigt etwa die Nachfrage nach Jodtabletten. Die Invasion in die Ukraine hat die Friedensbewegung und die ganze Welt schockiert, weil hier Menschenleben rücksichtslos für Machtinteressen geopfert werden.

Wir verurteilen und beklagen diesen Überfall genauso wie bisher alle menschenverachtenden Kriege, oder wie immer das massenhafte Töten von Menschen genannt wird. Unsere Solidarität und unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, die unter dem fruchtbaren Krieg leiden.

Gerade zu dieser Zeit ist es wichtig, sich für Frieden und für Abrüstung einzusetzen. Die Bundesregierung hat, neben den bereits geplanten über 50 Mrd., ein 100 Milliarden-Sofort-Aufrüstungsprogramm beschlossen. Dies ist mit Abstand der bisher größte Aufrüstungsetat der Bundesrepublik Deutschlands. Unter anderem sollen davon Dutzende F-35 Kampfjets als Atomwaffenträger angeschafft werden, die bewaffnete Eurodrohne und Heron TP für die Bundeswehr sowie das Future Combat Air Systems (FCAS) – ein neuartiger Kampfjet mit Tarnkappen-Technologie, begleitenden Drohnenschwärmen und einer Vernetzung durch eine „Gefechts-Cloud" – finanziert werden. Die Kriegsrhetorik von Politik und Medien wird immer schärfer und mit der Lieferung von Waffen an die Ukraine ist Deutschland indirekt Konfliktpartei gegen Russland geworden. Die Gefahr eines 3. Weltkrieges und damit einer atomaren Auseinandersetzung ist so groß wie nie. Die Verantwortung Deutschlands wird wieder nur in militärischen Kategorien gedacht – was für ein Armutszeugnis! Das Geld für die Rüstungsausgaben kann nur einmal ausgegeben werden und wird uns schmerzlich fehlen bei der Bildung, bei der sozialen Sicherung, Kinder-/Familienarmut, der Altersarmut, der Pflege und bei der Bekämpfung der Klimakrise. Krieg,- die Herstellung und die Benutzung von jeglichem Kriegsgeräten ist der größte Klimakiller und verstärkt die Krise noch. Wenn wir dieses gigantische Wettrüsten nicht stoppen, befördern wir die globale Klimakatastrophe.

Jetzt ist die Friedensbewegung mehr denn je gefordert. Wir sind nicht weltfremd, nein wir sehen beklagen und verurteilen das Leid, das dem ukrainischen Volk in einem Krieg zugefügt wird. Aber zugleich muss Frieden das große Ziel sein, zu dem sich alle verpflichten. Da wären es auch angebracht die Friedensforscher und Friedenuniversitäten weiter zu fördern und anzufragen. Im Dezember 2019 wurde die bundesweite Initiative "Sicherheit neu denken" von verschiedenen kirchlichen und nichtkirchlichen Organisationen gegründet, die bis zum Jahr 2040 einen Paradigmenwechsel in der deutschen Sicherheitspolitik vom militärischen zum zivilen Planen und Handeln erreichen möchte. Diesem Ziel sollten wir uns verschreiben und darin sollten wir investieren.

Wir OstermarschiererInnen werden aktuell angefeindet und nicht gerne gehört, bleiben aber notwendig. Der Frieden braucht unsere Stimmen mehr denn je, unsere Meinungen, unsere Kritik und die Verantwortlichen sollten sich vielleicht auch einmal mit unseren Lösungsansätzen ernsthafter befassen. Dafür setzen wir ein Zeichen. Das Friedenszeichen!

Liebe Friedensfreundinnen und liebe Friedensfreunde, bleiben wir weiterhin standhaft und stark in unseren Bemühen um Frieden,- Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.
Ihnen allen wünsche ich Frohe, Friedvolle und Gesegnete Ostern.

Waltraud Andruet ist aktiv bei Pax Christi.