Antikriegstag 2026
Antikriegstag 2026

Carsten Bätzold, Kassel

Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September in Kassel

Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September in Kassel

+ + + Es gilt das gesprochene Wort + + +

Schönen guten Tag zusammen, 
Heute vor 87 Jahren begann für Europa der Zweite Weltkrieg. Die Propagandalüge, die den Angriffrechtfertigen sollte, kennen wir alle:

„Seit 05:45 wird zurückgeschossen.“

Wir wissen, was folgte: Über 60 Millionen Tote. Davon allein 27 Millionen Menschen der ehemaligen 
Sowjetunion Die Überlebenden waren Traumatisiert Verstümmelte, und viele wurden Vertrieben 

Große Teile Europas lagen in Schutt und Asche.

Ganze Generationen mussten mit den Folgen leben.

Wenn wir heute am Antikriegstag Zusammenstehen, dann stellt sich für 
mich die Frage: 

Was hat das mit uns zu tun?

Mit unserer Gegenwart?

 Mit unserem Land?

Ich möchte versuchen, darauf eine persönliche Einschätzung zu geben – 
und skizzieren, was ich sehe.

1. Die neue Bedrohungserzählung 
Seit Anfang 2024 hören wir immer wieder dieselbe Botschaft: Russland werde in fünf bis acht Jahren

militärisch so stark sein, dass es die NATO angreifen könnte.

Das erklären uns Politikerinnen und Politiker, Regierungschefs, Geheimdienste, Militärs.

In zwei Jahren haben wir über 15 hochrangige Stimmen gehört – alle mit der gleichen Botschaft.

Doch das Perverse ist: Keiner sagt, Russland greift an. Sie sagen: könnte, wäre fähig, bereitet sich vor
ein Angriff kann nicht ausgeschlossen werden.

Wir haben also eine massive Anhäufung von Konjunktiven in apokalyptischen Vorhersagen.

Die Überprüfbarkeit dieser Aussagen ist praktisch null. Aber die politische Wirkmacht ist riesig.

Und wenn dann tatsächlich der Finnische Präsident erklärt im August 2026 „ Russland werde niemals 
das mächtigste Militärbündnis der Welt angreifen wollen Wird so getan als ob er nicht mehr alle 
Tassen im Schrank hätte. Trotz Tausend Kilometer gemeinsamer Grenze und eigener 
Geheimdienstaufklärung.

Das passt ins Bild die Bedrohungserzählung darf nicht ins Wanken geraten.

Denn Mit einer solchen Bedrohung, verstärkt durch die Massenmedien, kann eine Regierung fast alles 
rechtfertigen und durchziehen.

Zum Beispiel die größte Steuerverschwendung in der Geschichte Deutschlands.

Und gleichzeitig kann man in allen sozialen Bereichen die Axt ansetzen – dazu werden gleich die 
Kolleginnen und Kollegen noch berichten.

Genauso wie die faktische Wehrpflicht wieder einführen die gleich auch noch Thema ist.

Kommen wir zum Goldrausch der Rüstungsindustrie

Hunderte Milliarden Euro für die Rüstungsindustrie finanziert durch Schulden, die unsere Urenkel noch abbezahlen werden. Diese Milliarden sind unser Geld es sind unsere Steuern die hier für verschwendet werden

Das führt zu gigantischen Gewinnen für die Kriegsindustrie.

Und zusätzlich kassieren sie noch Zinsen, weil sie dem Staat das Geld leihen, mit dem er ihre Waffen bezahlt.

Diesen Goldrausch kann man hier in Nordhessen hautnah erleben.

Die HNA titelte letzte Woche:

„Panzerboom in Kassel“.

Dazu der Aufbau eines Drohnentestzentrums in Calden.

285 Millionen Euro für 1000 Arbeitsplätze.

Dafür bekäme man in der Pflege 3800, 
im Schulbereich 3000, 
in der Zivilindustrie 2375 Arbeitsplätze.

Das ist nordhessischer Dreisatz – 
aber es zeigt mit gesundem Menschenverstand, was die Mannheimer Studie belegt:

• 1 Euro in die Rüstung bringt 50 Cent gesamtwirtschaftlichen Nutzen.1 Euro in die Zivilwirtschaft bringt 3 bis 3,5 Euro Nutzen.

Hier zeigt sich der ganze Wahnsinn der aktuellen Rüstungsausgaben. Ohne Sinn und Verstand wird Geld verballert. Und die Verantwortlichen tun so als wäre die einzige Antwort auf alle Probleme.

„Whatever it takes“ sagt der Verteidigungsminister.

Gesteuert wird das Ganze von einer Behörde, die schon bei 50 Milliarden im Jahr überfordert war. Jetzt sollen sie 100 Milliarden pro Jahr ausgeben – da kann sich jeder vorstellen, was dabei herauskommt.

Es gibt keinerlei demokratische Kontrolle. Parlamentarier sagen offen: „Wir wissen nicht, wofür das Geld ausgegeben wird.“

Es gibt keine Übersicht, keine Statusmeldungen, keine Transparenz darüber, ob das alles militärisch überhaupt sinnvoll ist.

Dabei wird das Geld so dringend in anderen Bereichen gebraucht.

3. Die echten Krisen bleiben ungelöst 
Die Energiekrise ist ungelöst. Die Auswirkungen des Klimawandels sind ungelöst. Industriepolitisch geht es rasant bergab – mit dem Verlust von Abertausenden Arbeitsplätzen.

Armut Alleinerziehender. Kinderarmut. Altersarmut. Bildung, Pflege, Rente – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Von den Herausforderungen durch KI will ich gar nicht erst anfangen.

Am Ende bleibt das ungute Gefühl: Hier wird mit viel Aufwand eine Stimmung erzeugt, zu einer Prophezeiung die sich selbst erfüllt.

Ich sage: Das sind mächtige Propagandalügen.

Und solche Lügen enden schneller im Krieg, als wir gucken können.

Wenn alle Politiker, die an der Macht sind, nur Krieg denken und keiner sagt:

„Ich will, dass wir bis 2030 einen belastbaren Frieden haben.

Ich stehe dafür, mit all unseren Nachbarn gut zusammenzuleben.

Ich habe nicht vergessen, was Krieg bedeutet 
“ Ja, was soll denn dann anderes dabei herauskommen?

Als die sich selbst erfüllende Prophezeiung vom Krieg 
Das sind düstere Aussichten.

4. Was sagen wir Menschen, die Angst haben?

Viele Menschen haben Angst, dass ein Äußerer Feind Deutschland angreifen könnte.

Diese Angst ist real und sie verdient eine Antwort.

Erstens erwarte ich von unseren Politikerinnen und Politikern, dass sie alles Erdenkliche tun, um diplomatisch eine Eskalation zu verhindern.

Und nicht ständig noch Öl ins Feuer gießen.

Dazu gehört auch nicht mit zweierlei Maß beim Völkerrecht messen.

Zweitens sollten wir gemeinsam überlegen, wie eine Gesellschaft sich verteidigen kann, ohne selbst mit dem Streichholz am Benzintank herumzufummeln.

Eine systematische zivile und soziale Verteidigung, mit einem geeigneten Resilienz Aufbau, kann auch ein Mittel sein, um sich zu schützen.

Es gibt viele historische Beispiele:

• Dänemark 1940–1945

• 1968: gewaltfreie Gegenwehr gegen Truppen des Warschauer Vertrags

• Der Baltische Weg 1990/91 – zwei Millionen Menschen blockierten sowjetische Truppen Am Ende kostet ein solcher Weg deutlich weniger Geld und deutlich weniger Menschenleben.

Die Frage ist:

Wie wollen wir auf welches Szenario reagieren?

Worauf müssen wir uns wirklich vorbereiten?

Die Zeit reicht heute nicht, um das weiter auszuführen. Aber es lohnt sich, darüber eine breite gesellschaftliche Debatte mit zu führen.

Wollen wir Diplomatie, soziale Verteidigung und den Willen, keinen Krieg zu führen – 
oder Milliarden für Rüstung und eine Eskalation, die am Ende zum Krieg führt.

Ob mit Absicht oder aus Versehen – 
das Ergebnis ist dasselbe.

Ich bin festgelegt, liebe Freunde.

Wir wollen keinen Krieg und keine Zerstörung.

Lasst uns weiter gemeinsam für eine friedliche Zukunft streiten.

Vielen Dank.

Redner*in:

Carsten Bätzold ist aktiv im Kasseler Friedensforum

Thema

  • Antikriegstag (1. September)