Christina Eitenmüller, Weinheim
Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2025 in Weinheim
- Sperrfrist: 6.8., Redebeginn: 18:30 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Organisatorinnen und Organisatoren der heutigen Mahnwache,
ich danke Ihnen für die Organisation der Mahnwache und für Ihre Anwesenheit heute – in einer Zeit, in der das Thema Frieden nicht selbstverständlich ist und unsere gemeinsame Verantwortung größer denn je scheint.
Wir haben uns heute hier versammelt, um ein starkes Zeichen zu setzen – für Frieden, für Menschlichkeit, und für unsere Verantwortung als Städte in einer Zeit, in der sich die Welt erneut in geopolitischen Spannungen verstrickt sieht. In dieser Zeit zunehmender Unsicherheit, wachsender Spannungen und internationaler Konflikte gewinnt die Frage nach dem Frieden wieder eine ganz neue Dringlichkeit.
Ob in Europa, im Nahen Osten, in Afrika oder Asien – wir erleben, wie schnell Worte zu Waffen werden, wie fragile Beziehungen in Gewalt umschlagen können und wie tief die Folgen von Konflikten in Gesellschaften wirken.
Inmitten dieser komplexen weltpolitischen Lage sind es nicht nur Regierungen und Diplomaten, die gefragt sind. Auch wir – die Städte – tragen Verantwortung.
Als Mitglieder von Mayors for Peace, einer internationalen Initiative mit mehr als 8.000 Städten weltweit, stehen wir für eine klare Überzeugung: Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg. Frieden ist die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, bevor sie eskalieren. Und Frieden ist keine ferne Idee, sondern eine konkrete Aufgabe – auch im kommunalen Alltag.
Diese Verantwortung beginnt bei uns – vor Ort:
- Wenn wir Bildungsangebote für Demokratie, Toleranz und respektvollen Dialog stärken - in Schulen, in der Jugendarbeit, in der Zivilgesellschaft.
- Wenn wir interkulturelle Verständigung und soziales Miteinander fördern.
- Wenn wir unsere Stimme erheben gegen Gewalt – in jeglicher Form.
Ob auf der Weltbühne oder im Stadtviertel:
Konflikte sind Teil jeder Gemeinschaft. Sie lassen sich nicht immer vermeiden.
Entscheidend ist jedoch, wie wir mit ihnen umgehen.
Die Initiative Mayors for Peace erinnert uns daran, dass es Alternativen zur Gewalt gibt. Und dies gilt nicht nur für globale Krisen, sondern auch für unser tägliches Zusammenleben in unseren Städten.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Mayors for Peace wurde 1982 in Hiroshima gegründet – einer Stadt, die bis heute für die verheerenden Folgen von Krieg und atomarer Gewalt steht. Die klare Botschaft ist: Städte tragen Verantwortung – für das Leben ihrer Bürger*innen und für den Frieden in der Welt.
Heute, über 40 Jahre später, bleibt diese Mahnung aktuell. Und zugleich ist sie Ansporn: für eine Politik, die Verantwortung übernimmt. Für ein Zusammenleben, das auf Verständigung statt Konfrontation setzt. Und für Städte, die Friedensarbeit nicht nur als Symbol verstehen, sondern als Aufgabe.
Warum gerade Städte?
Weil Kriege in Städten beginnen – und weil es die Menschen in den Städten sind, die den Preis für Gewalt, Zerstörung und Vertreibung zahlen.
Weil Städte auch Orte der Hoffnung sind: Orte, an denen Begegnung, Toleranz und Versöhnung wachsen können.
Und weil Städte Vorbilder sein können.
Als Mitglied von Mayors for Peace setzen wir ein Zeichen. Ein Zeichen gegen das
Vergessen.
Ein Zeichen gegen die Normalisierung von Aufrüstung und Konfrontation.
Und ein Zeichen für eine Kultur des Friedens, der Erinnerung und der Verantwortung.
Mayors for Peace erinnert uns daran, dass Frieden nicht irgendwo gemacht wird –
sondern auch hier, in unseren Rathäusern, in unseren Schulen, auf unseren Straßen.
Ich lade Sie ein, diese Aufgabe mitzutragen.
Lokal – durch Engagement und Mitmenschlichkeit.
Und global – durch Solidarität und Zusammenarbeit.
Denn nur gemeinsam können wir eine Kultur des Friedens stärken – in einer Welt, die sie mehr denn je braucht.
Ich danke Ihnen herzlich.
Christina Eitenmüller spricht in Vertretung des OB Weinheim