Uwe Leising, Herne
Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September 2026 in Herne
Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 01. September in Herne
+ + + Es gilt das gesprochene Wort + + +
Liebe Hernerinnen und Herner, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens!
Heute vor 87 Jahren begann der erste Weltkrieg mit seinen Millionen Toten und der Zerstörung von Städten und ganzen Landstrichen!
Die Lehre aus diesem unsäglichen Krieg und seinen Zerstörungen lautete: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Das war das einende Grundbekenntnis der damals noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Das war gesellschaftlicher Konsens. Frieden durch Abrüstung! Frieden durch immer weniger Waffen!
Doch dieses einende Grundbekenntnis hat längst zu bröckeln begonnen. Natürlich, nach wie vor wünscht sich niemand den Krieg. Aber worauf setzt unser Staat sein Vertrauen? Auf Gespräche und Dialog? Auf Abrüstung und bewährte Methoden der Gewaltlosigkeit?
Nein, das Gegenteil ist der Fall! Der Mythos von der erlösenden Kraft der Gewalt hat alle Bekenntnisse zum Frieden überlagert. Diesen Mythos hat Walter Wink bereits 1999 in seiner „Theologie der Gewaltfreiheit“ erkannt. Zu diesem Mythos zählt die Überzeugung, dass Gewalt rettet, Krieg Frieden bringt und Macht Recht schafft. Solange es Staaten gibt, die sich gegeneinander behaupten, gibt es diesen Glauben. Bereits in den Schöpfungsmythen Babylons ist dieser Glaube nachweisbar.
Seitdem ist dieser Mythos in unzähligen Varianten erzählt worden. Niemand kennt mehr seinen Ursprung. Doch immer wieder wird erzählt: Krieg schafft Frieden, Gewalt rettet vor Chaos, Aufrüstung dient der Sicherheit. Und was immer wieder erzählt wird, das wird dann auch geglaubt.
Darum wird immer weiter aufgerüstet. 2026 gibt Deutschland mehr als 100 Milliarden für Rüstung aus. Geld, das dringend gebraucht wird gegen den Hunger in der Welt, gegen Armut im eigenen Land, gegen das Auseinanderbrechen der Gesellschaft, für die Integration von Geflüchteten, für Schulen und Kindergärten.
Merkt denn niemand, dass wir uns damit zugrunde rüsten? Jeder Euro, der in Waffen gesteckt wird, fehlt an anderer Stelle.
Und machen wir uns nichts vor: Waffen sind zum Töten da. Der Glaube an die erlösende Macht der Gewalt ist ein Irrglaube!
Ich möchte nur mal zwei Zahlen nennen: Im 19. Jahrhundert sind rund 19 Millionen Menschen im Krieg getötet worden. Eine gewaltige Zahl! Aber diese Zahl ist im 20. Jahrhundert mehr als verfünffacht worden auf 109 Millionen Menschen, die Hälfte davon Zivilisten. Wie kann man diesen sprunghaften Anstieg erklären? Waren die Menschen im 20. Jahrhundert kriegerischer als je zuvor in der Geschichte? Nein, die Menschen waren zu allen Zeiten dieselben. Aber die Waffen sind effizienter und mächtiger geworden. Jetzt tötete man nicht mehr mit Pfeil und Bogen, mit Kugeln oder Schwertern. Jetzt tötete man mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen.
Und wenn man jetzt über 100 Milliarden in die Rüstung steckt, wie mag dann wohl die Bilanz der Kriegstoten am Ende dieses Jahrhunderts aussehen?
Wir rüsten uns wahrhaft zu Tode! Mit deutschen Waffen wird jetzt schon getötet. Israel beispielsweise führt seinen Mehrfrontenkrieg auch mit deutschen Waffen. Man kann es drehen wie man will: Deutschland ist mitschuldig an Tod und Zerstörung im Nahen Osten.
Wir rüsten uns und die Welt zu Tode. Denn das Dogma der Mächtigen lautet noch immer: Krieg bringt Frieden, Gewalt schafft Sicherheit, immer mehr Waffen bringen Sicherheit.
Wir aber wollen diesem Dogma nicht länger glauben. Wir wissen: Wer Gewalt sät, wird Krieg, Leid, Tod und Zerstörung ernten! Kriege, wie sie im Irak, Afghanistan, Iran, Palästina und anderen Ländern geführt wurden, haben bewiesen, dass es keine erlösende Kraft der Gewalt gibt. Dieser Glaube ist ein Irrglaube!
Darum sagen wir heute am Antikriegstag „Nein!“ Wir sagen Nein zum Glauben an die Gewalt! Wir sagen Nein zu Waffenexporten, Aufrüstung, zu nuklearer Bewaffnung und zur Anschaffung von Kampfdrohnen. Wir sagen Nein zu Auslandseinsätzen deutscher Soldaten. Wir sagen aber Ja zu Gewaltlosigkeit, Verständigung und Dialog. Daran wollen wir glauben, dass Abrüstung und Verständigung Frieden bringen. Diesen Glauben und diese Hoffnung drücken wir aus mit den alten Worten der Bürgerrechtsbewegung: We shall overcome!
Redner*in:
Uwe Leising ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Haranni in Herne
Thema
- Antikriegstag (1. September)