Torsten von Harren, Bremerhaven
Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September 2026 in Bremerhaven
Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September in Bremerhaven
+ + + Es gilt das gesprochene Wort + + +
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes,
ich begrüße Sie im Namen der Stadtverordnetenversammlung Bremerhaven herzlich zur heutigen Gedenkveranstaltung anlässlich des Anti-Kriegstages.
Wir kommen am 1. September zusammen – an einem Datum, das uns unausweichlich an den Beginn des Zweiten Weltkrieges und an den deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939 erinnert. Dieser Tag mahnt uns, welche Folgen Nationalismus, Menschenverachtung, Gewalt und die Missachtung des Völkerrechts haben können. Er erinnert an unermessliches Leid, an Millionen Opfer, an zerstörte Städte und Familien, an Verlust, Flucht und Vertreibung.
Der Anti-Kriegstag ist deshalb kein Tag, der allein der Vergangenheit gilt. Er ist ein Tag der Verantwortung in der Gegenwart und der Verpflichtung für die Zukunft. Dass wir uns in Bremerhaven Jahr für Jahr vor der Großen Kirche versammeln, ist ein wichtiges und sichtbares Zeichen: Wir bewahren die Erinnerung. Wir würdigen die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Und wir bekennen uns zu Frieden, Freiheit, Menschenwürde und Demokratie.
Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er ist nicht einfach der Zustand, in dem Waffen schweigen. Frieden bedeutet, dass Menschen ohne Angst leben können. Dass Kinder zur Schule gehen, Familien zusammenbleiben und Menschen ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten können. Frieden braucht Vertrauen, Gerechtigkeit, die Achtung der Menschenrechte und die Bereitschaft, Konflikte mit politischen und diplomatischen Mitteln zu lösen.
Wie kostbar Frieden ist, wird uns in diesen Jahren besonders schmerzhaft bewusst. Während wir heute hier zusammenstehen, tobt in der Ukraine weiterhin ein Krieg. Täglich erleben Menschen dort Gewalt, Zerstörung und Verlust. Städte und Dörfer werden beschädigt, Angehörige bangen um ihre Liebsten, viele Menschen sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Dieser Krieg führt uns vor Augen, dass Frieden auch in Europa niemals als gegeben betrachtet werden darf.
Unser Mitgefühl gilt allen Menschen, die unter Krieg, Terror und Gewalt leiden – in der Ukraine ebenso wie in anderen Regionen der Welt. Zugleich gilt unsere Solidarität all jenen, die sich mutig für Verständigung, für Humanität und für ein Leben in Freiheit einsetzen. Gerade in schwierigen Zeiten darf uns die Erfahrung von Gewalt nicht abstumpfen lassen. Sie muss unseren Willen stärken, das Völkerrecht zu achten, die Demokratie zu verteidigen und den Frieden zu fördern.
Bremerhaven ist eine Stadt am Wasser, eine Stadt des Hafens, der Begegnung und der Verbindungen in die Welt. Menschen aus vielen Ländern leben und arbeiten hier miteinander. Diese Vielfalt ist eine Stärke unserer Stadt. Sie erinnert uns daran, dass ein friedliches Zusammenleben nicht von selbst entsteht, sondern jeden Tag neu gestaltet werden muss: durch Respekt, durch Zuhören, durch die Bereitschaft zum Dialog und durch die klare Absage an Hass, Rassismus und Ausgrenzung.
Auch die kommunale Ebene trägt Verantwortung. In unseren Schulen, Vereinen, Betrieben, Kirchen, Gewerkschaften und Nachbarschaften wird erfahrbar, was Frieden im Alltag bedeutet: anderen mit Würde zu begegnen, Konflikte fair auszutragen und Verantwortung füreinander zu übernehmen. Ein demokratisches Gemeinwesen lebt davon, dass wir Unterschiede aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Die anschließende Kranzniederlegung ist ein Moment des stillen Gedenkens. Mit ihr verneigen wir uns vor den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Sie ist zugleich ein Versprechen: Wir wollen nicht wegsehen, wenn Menschenrechte verletzt werden. Wir wollen Erinnerung wachhalten. Und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass künftige Generationen in Frieden leben können.
Ich danke dem Deutschen Gewerkschaftsbund sowie allen Beteiligten, die diese jährliche Gedenkveranstaltung organisieren und tragen. Ihr Engagement hält die Mahnung dieses Tages lebendig und gibt ihr einen festen Platz in unserer Stadtgesellschaft.
Lassen Sie uns den heutigen Tag zum Anlass nehmen, unser Bekenntnis zu Frieden und Verständigung zu erneuern – mit Ernsthaftigkeit, mit Mitmenschlichkeit und mit dem festen Willen, Verantwortung zu übernehmen.
Vielen Dank.
Redner*in
Torsten von Harren ist Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Bremerhaven
Thema
- Antikriegstag (1. September)