Michael Wilmes, Potsdam
Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September 2026 in Potsdam
Redebeitrag zum Antikriegstag 2026 bei der Veranstaltung am 1. September 2026 in Potsdam
+ + + Es gilt das gesprochene Wort + + +
„Ein Knie geht einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts! Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Im Kriege ward einmal ein Mann erschossen um und um
Allein das Knie blieb unverletzt – als wärs ein Heiligtum.
Seitdem geht’s einsam durch die Welt. Es ist ein Knie, sonst nichts. Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt! Es ist ein Knie, sonst nichts.“
Niemand kann eine solche Welt wollen, wie Christian Morgenstern sie eindrücklich in dies Bild vom Knie gebracht hat. Niemand!
Wirklich niemand?
Daran sind mehr als Zweifel angebracht. Wie oft hören wir, dass Deutschland „kriegsbereit“ werden muss. Weil Putin uns angreifen will. Mit festgelegtem Datum im Jahr 2029 oder 30.
Warum er damit noch 3 oder 4 Jahre warten will oder soll, bleibt dabei im Dunkel. Eine von vielen Ungereimtheiten.
Bleiben wir in Brandenburg!
Matthias Platzek war Ministerpräsident von Brandenburg von 2002 bis 2013. Er ist der direkte Vorgänger von Dietmar Woidke.
Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 war Herr Platzek mindestens in neun Fällen zu Gesprächen in Moskau. Privat, wohlgemerkt. Auf eigene Kosten. Ohne jeden politischen Auftrag – zumindest nicht offiziell.
"Sind massive Aufrüstung und Sicherheit gegen Russland das wirklich allein tragfähige Konzept für unsere Zukunft?“ War und ist sein Thema, dass er in die Debatte trägt.
Und jetzt die Frage:
Warum findet das fernab einer interessierten Öffentlichkeit statt?
Was hindert den jetzigen MP Herrn Dietmar Woidke daran, solche Aktivitäten zumindest wertschätzend zu erwähnen – eigentlich sogar, es ihm gleichzutun?
Was bringt ihn stattdessen dazu, mit einer Partei zu koalieren, dessen Frontmann Herr R. Kiesewetter fordert,
„Der Krieg muss nach Russland getragen werden. Russische Militäreinrichtungen und Hauptquartiere müssen zerstört werden. Wir müssen alles tun, dass die Ukraine in die Lage versetzt wird, nicht nur Ölraffinerien in Russland zu zerstören, sondern Ministerien, Kommandoposten, Gefechtsstände.“
- 1Handlungen, die geeignet sind ...die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig.
- Sie sind unter Strafe zu stellen.
Ein Hinweis für den „Spiegel“. Wenn Sie wieder mal eine Ausgabe mit Fahndungsfoto auf der ersten Seite mit der Unterschrift: „der gefährlichste Mann Deutschlands“ brauchen – das bringt ja Auflage – dann hätte ich da ggf. einen Tipp.
Wie pervers ist das denn: Friedensdiplomatie geschieht in aller Heimlichkeit, unbemerkt und unkommentiert. Man gefährdet ja quasi seinen Ruf, sich bei sowas erwischen zu lassen
Aber Kriegsabsichten können laut herausposaunt werden und Begriffe wie kriegstüchtig und kriegsbereit gehören mittlerweile zum festen Wortschatz.
Hier ein Wachrüttler von Günther Eich, geschrieben vor gut 75 Jahren:
Wacht auf, - denn eure Träume sind schlecht!
bleibt wach, - weil das Entsetzliche näherkommt.
Auch zu dir kommt es, der weitentfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiss.
oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt.
Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für
euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!
Ja Herr Woidke, vermutlich ist Ihnen mittlerweile auch peinlich und unangenehm, was Sie 2020 zum 75. Jahrestag des Potsdamer Abkommens im Cecilienhof gesagt haben:
„Die Lehren von Potsdam liegen auf der Hand: den Frieden immer und überall verteidigen, mit Dialog und Diplomatie Konfrontation vermeiden, die Europäische Union als Friedens- und Einheitsprojekt des Kontinents stabilisieren und ausbauen. Das sind wir den Opfern der grausamen Kriege des vergangenen Jahrhunderts auf immer schuldig." 1.8.2020
Können wir da noch auf ihr Wort zählen Herr MP?
Oder gilt weiter der Gedanke Bertolt Brechts:
„Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.
Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind!
Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind,
und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.
Ja, ich möchte positiv enden. Bei so viel schlechten Nachrichten braucht es zumindest auch seelische Stärkung. Und ich weiß, dass unter Ihnen Christen sind, die es so verdammt ernst meinen mit dem Frieden wie ich auch. Und deshalb gehört mein letzter Beitrag dem Befreiungstheologen Ernesto Cardenal aus Nicaragua, der vor 6 Jahren im Alter von 95 Jahren starb. Schlohweiße Mähne und schwarze Baskenkappet so tot wie
„Höre meine Worte, Herr, höre mein Seufzen, hör meinen Protest, denn du bist Gott und kein Freund der Reichen und Mächtigen … Ihre Reden sind unaufrichtig wie ihre Presse-Erklärungen. Sie sprechen vom Frieden – und steigern die Rüstungsproduktion. Auf ihren Konferenzen reden sie vom Frieden, doch im Geheimen bereiten sie Krieg vor …
Straf sie, o Gott! Lass scheitern ihre Politik! Bringe ihre Memoranden durcheinander! Verhindere ihre Programme!
Wer ihren lügnerischen Parolen nicht glaubt, wer ihrem Werben und ihren politischen Kampagnen nicht traut, den segnest Du, den umgibst Du mit deiner Liebe.“
Redner*in:
Michael Wilmes ist Mitglied des BSW
Thema
- Antikriegstag (1. September)